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MedienmitteilungVeröffentlicht am 15. Juni 2026

European Land Robot Trial (ELROB) 2026: Robotik für sicherheitsrelevante Einsätze

Bern, 15.06.2026 — Vom 15. bis 19. Juni 2026 ist armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) Gastgeberin des European Land Robot Trial (ELROB), in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FKIE aus Deutschland sowie der RUAG AG. Über vier Tage wird der Waffenplatz in Thun zum Schauplatz für den Einsatz von Land-Robotern in realistischen militärischen und zivilen Szenarien. ELROB ist der etablierteste Anlass dieser Art in Europa.

Die Veranstaltung ist international ausgerichtet und fokussiert auf unbemannte Bodenfahrzeuge. ELROB 2026 ist die 13. Ausgabe und findet bereits zum zweiten Mal in der Schweiz statt. Das Austragungsland rotiert zwischen den DACH-Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt. Der Waffenplatz Thun als diesjähriger Austragungsort, der mit einer Fläche von rund 6.5 Quadratkilometern sowohl der grösste als auch älteste seiner Art in der Schweiz ist, bietet dafür ideale Voraussetzungen.

Robotik im Leistungsvergleich während realitätsnaher Szenarien

ELROB verfolgt das Ziel, durch realitätsnahe Demonstrationen innovativer Robotertechnik direkten Einfluss auf praktische Anwendungen zu nehmen – etwa im Bereich lebensrettender Massnahmen. Damit neue Technologien ihren Weg aus Forschung und Entwicklung in die Praxis finden, müssen sie unter realistischen Bedingungen getestet werden können. Der Fokus liegt auf kurzfristig realisierbaren Robotersystemen, sodass der aktuelle Stand der Technik beurteilt und zugleich konkrete Herausforderungen aus der Praxis adressiert werden können.

Robotik-Systeme von über 20 internationalen Teams in der Eignungsprüfung

Über 20 internationale Teams haben die Möglichkeit, ihre Robotik-Systeme in einsatznahen Szenarien zu testen und von einer Jury anhand ihrer Leistung bewerten zu lassen. Besonders an ELROB ist, dass es sich nicht um einen Wettbewerb, sondern um einen Versuch beziehungsweise eine Eignungsprüfung handelt. Ziel ist es aufzuzeigen, wozu die europäische und internationale Robotik aktuell in der Lage ist.

Robotik im militärischen Härtetest

Fünf realitätsnahe, militärische Szenarien finden an der ELROB statt:

Transport – Convoying

Der Transport von Personen, Material oder humanitärer Hilfe gehört zu den Routineaufgaben vieler Einsätze von Sicherheitsbehörden. In feindlichen Umgebungen sind solche Transporte jedoch besonders riskant, da Konvois häufig Ziel von Angriffen werden. In diesem Szenario müssen mindestens zwei Fahrzeuge einen Zielort erreichen. Jedes Fahrzeug soll dabei eine Nutzlast von mindestens 1’500 kg transportieren. Nur eines der Fahrzeuge ist bemannt. Beide Fahrzeuge sollen den Zielort möglichst schnell und mit möglichst hoher Autonomie erreichen.

Reconnoitring of a non-urban environment

Die Aufklärung von nicht-urbanen Gebieten ist eine zentrale Voraussetzung für militärische Operationen. Gleichzeitig gehört sie zu den gefährlichsten Aufgaben für Soldatinnen und Soldaten. Der Einsatz von Robotern zur Erkundung potenziell gefährlicher Gebiete kann die Truppen daher erheblich schützen und entlasten. In diesem Szenario erkunden die Systeme eine Umgebung mit zahlreichen Hindernissen und erstellen dabei eine zwei- beziehungsweise dreidimensionale Karte (2D/3D) des Geländes.

Transport – Mule

Soldatinnen und Soldaten müssen im Einsatz zunehmend mehr und schwerere Ausrüstung zu Fuss mitführen. Diese zusätzliche Last erschwert ihre Beweglichkeit, lenkt von der eigentlichen Aufgabe ab und führt schneller zu Ermüdung. Robotische Systeme können hier wertvolle Unterstützung leisten. Im Szenario folgen die Systeme einer Person und legen eine Strecke von rund 300 Metern zurück.

Search & Rescue (SAR) / CasEvac

Die Rettung und Bergung von Verletzten gehört, sowohl bei zivilen Katastrophen als auch in militärischen Einsätzen, zu den wichtigsten und zugleich anspruchsvollsten Aufgaben. Bei militärischen Operationen findet die Evakuation (CasEvac) häufig in feindlichen Umgebungen statt, bei zivilen Katastrophen erfolgt sie oft in schwierigem und unsicherem Gelände. Der Einsatz robotischer Fahrzeuge zur Lokalisierung, Aufnahme und zum Transport von Verletzten reduziert in solchen Situationen Risiken für Einsatzkräfte.

Reconnaissance of explosive remnants of war (ERW)

Die Erkundung von Oberflächen und Infrastruktur in Gebieten mit Kriegsresten, sowohl in ländlichen als auch in städtischen Regionen, stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Auch die Inspektion von Fahrzeugen im Rahmen der Gefahrenabwehr gehört dazu. Systeme müssen im Szenario potenziell gefährliche Objekte zuverlässig erkennen und identifizieren.

Unbemannte Systeme gewinnen an sicherheitsrelevanter Bedeutung

Die sicherheitspolitische Lage hat sich verschärft. Parallel dazu findet eine rasante Entwicklung und militärische Antizipation von Technologien statt. In diesem Kontext wird deutlich, dass unbemannte Systeme und deren Automatisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gerade in urbanen und asymmetrischen Einsatzszenarien können unbemannte Systeme Risiken für Einsatzkräfte reduzieren, bestehende Fähigkeiten verstärken und auch neue Einsatzmöglichkeiten schaffen.

Hier setzt die Forschung von armasuisse Wissenschaft und Technologie an. Forschende entwickeln innovative Technologielösungen und testen verschiedenste Systeme unter realitätsnahen Bedingungen. Ziel ist es, neue Technologien frühzeitig zu erkennen, wissenschaftlich zu prüfen und für sicherheitsrelevante Anwendungen nutzbar zu machen. Das Schweizer Drohnen- und Robotik-Zentrum des VBS (SDRZ VBS) führt in diesem Kontext das Forschungsprogramm «Unbemannte Systeme / Robotik» im Rahmen der Ressortforschung durch. Der Fokus liegt darauf, vielversprechende zivile Robotik-Lösungen aus Forschung und Innovation schneller zu entwickeln und in die sicherheitsrelevante Praxis zu überführen. Ein Schlüsselelement dazu ist die praktische Erprobung.