Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 9. Juni 2026

Vertrauen in öffentliche Institutionen: grosse Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Bern, 09.06.2026 — Eine vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Frauen in der Schweiz den öffentlichen Institutionen weniger vertrauen als Männer. Die Schweiz zeichnet sich im internationalen Vergleich zwar durch ein hohes Vertrauen in die Institutionen aus, weist in diesem Bereich aber auch eines der grössten geschlechtsspezifischen Gefälle auf.

In den meisten OECD-Ländern haben Frauen weniger Vertrauen in die öffentlichen Institutionen als Männer. Die Schweiz weist einen der höchsten institutionellen Vertrauenswerte der OECD auf, aber auch eines der ausgeprägtesten Geschlechtergefälle unter den 30 untersuchten Ländern. Die von der OECD im Auftrag des EBG durchgeführte Studie dokumentiert erstmals die Bedeutung dieses Phänomens in der Schweiz.

Die Studie hebt in mehreren Bereichen signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern hervor. So geben 45 Prozent der Frauen an, dass sie in ihre Fähigkeit vertrauen, am politischen Leben teilzunehmen, gegenüber 65 Prozent der Männer. Dies spiegelt sich auch in der politischen Partizipation wider: 26 Prozent der Frauen geben an, sich an keiner politischen Aktivität zu beteiligen, bei den Männern sind es 17 Prozent. Der geschlechts­spezifische Unterschied ist fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt der OECD-Länder.

Auch bei der Zufriedenheit mit den öffentlichen Dienstleistungen gibt es deutliche Unterschiede: Rund die Hälfte der Frauen ist der Meinung, dass die Behörden die Anträge auf Unterstützung gleichberechtigt behandeln, bei den Männern sind es fast zwei Drittel. Auch beim Vertrauen in die Entscheidungsprozesse gibt es eine deutliche Diskrepanz. Weniger als die Hälfte der Frauen ist der Ansicht, dass das Parlament die Interessen der verschiedenen Regionen und Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt vertritt, gegenüber sechs von zehn Männern.

Handlungsbedarf und weiteres Vorgehen

Diese Vertrauensunterschiede werfen Fragen auf, die für unsere Demokratie zentral sind, denn sie beeinflussen die Inanspruchnahme öffentlicher Dienstleistungen, die Beteiligung an Abstimmungen und die Unterstützung von Reformen. Die Studie nennt eine Reihe von Handlungsmöglichkeiten: frühe und stärkere politische Einbeziehung und Partizipation von Mädchen und Frauen, bessere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Erwartungen und Erfahrungen bei öffentlichen Dienstleistungen sowie bessere und klarere Zugänglichkeit von Verwaltungsverfahren. Die Studie betont auch, dass die Erhebung, Analyse und Nutzung geschlechtsspezifischer Daten verbessert werden sollte. Diese Empfehlung entspricht auch den Richtlinien des Bundesrates über die Berücksichtigung des Geschlechts in den Studien und Statistiken des Bundes. Solche Daten sind unerlässlich, um die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung besser zu erkennen und eine wirksame öffentliche Politik zu entwickeln.

Die Ergebnisse der Studie werden in die laufenden Arbeiten im Rahmen des Auftrags des Bundesrats zur Definition neuer Massnahmen zur Anpassung der Gleichstellungsstrategie 2030 einfliessen. Künftige Massnahmen sollen dadurch auf der Grundlage zuverlässiger Daten und geschlechtsspezifischer Aspekte stärker in der Politik des Bundes verankert werden.

Weiterführende Informationen