Bundesrat modernisiert Alarmierung der Bevölkerung
Bern, 12.06.2026 — Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 12. Juni 2026 die Ergebnisse der Vernehmlassung zur Multikanalstrategie für die Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung zur Kenntnis genommen und die Stossrichtung der weiteren Arbeiten festgelegt. Künftig sollen Information, Warnung und Alarmierung über mehrere Kanäle erfolgen, insbesondere durch die Einführung der Handyalarmierung («Cell Broadcast») sowie die Weiterentwicklung bestehender Instrumente wie der Alertswiss-App und -Webseite. Zugleich hat der Bundesrat entschieden, die Aufhebung des Notfallradios IBBK vorerst zurückzustellen. Es soll vertieft geprüft werden, wie die Information der Bevölkerung in Schutzräumen künftig via Radio sichergestellt werden kann. Im Übrigen wird die Vernehmlassungsvorlage unverändert übernommen, einschliesslich der Übertragung der Zuständigkeit für die Sirenen vom Bund an die Kantone. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS soll dem Bundesrat bis Ende 2026 die entsprechende Botschaft vorlegen.
Die Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung ist eine zentrale Aufgabe des Bevölkerungsschutzes zur Minimierung von Schäden und Opfern. Bund und Kantone nutzen dafür verschiedene Kanäle, die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) betrieben werden. Dieses stellt die notwendigen Systeme für Alarmierung und Ereignisinformation bereit. Bereits im November 2024 hat sich der Bundesrat für die Stossrichtung der vom BABS erarbeiteten «Multikanalstrategie zur Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung» ausgesprochen. Sie zielt auf die Sicherstellung der umfassenden Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung in Krisensituationen ab.
Einführung der Handyalarmierung («Cell Broadcast»)
Dafür will der Bundesrat nebst den bestehenden Kanälen die Handyalarmierung («Cell Broadcast») einführen. Dieses neue System, das bereits in anderen europäischen Ländern benutzt wird, soll das ganze Dispositiv bis 2029 ergänzen und verstärken. Mit der Einführung von «Cell Broadcast» sollen die Alarmierung und die Warnung der Bevölkerung wesentlich verbessert werden. Damit können alle Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet unmittelbar mit kurzen Textnachrichten erreicht werden.
Weiter sollen die bereits seit 2018 genutzte Alertswiss-App und -Webseite weitergeführt und weiterentwickelt werden. Schwerpunkte sind unter anderem die Barrierefreiheit und die Verfügbarkeit von wichtigen Informationen auf dem Smartphone ohne Netzverbindung.
Zur Sicherstellung der umfassenden Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung in Krisensituationen muss das zentrale Kernsystem erneuert werden, über das Bund und Kantone Informationen, Warnungen und Alarmierungen erfassen und verbreiten.
Zuständigkeit für Sirenen zu den Kantonen
Die Zuständigkeit für die stationären und mobilen Sirenen, inklusive deren Finanzierung, soll vollständig an die Kantone übertragen werden. Zwar hatte sich die Mehrheit der Kantone im Rahmen der Vernehmlassung gegen eine solche Lösung ausgesprochen. Der Bundesrat hält dennoch daran fest, da sie eine klare Entflechtung von Zuständigkeiten und Finanzierung zwischen Bund und Kantonen ermöglicht. Dies schafft positive Anreize, reduziert den administrativen Aufwand und senkt insgesamt die Kosten. Im Rahmen der Multikanalstrategie werden die Zuständigkeiten damit eindeutig geregelt.
Der Bund sorgt weiterhin für eine einheitliche, gesicherte Sirenenfernsteuerung und wird dafür ein neues Sirenen-Fernauslösungssystem bereitstellen, welches das heutige System bis 2035 ablöst. Der Bundesrat ist überzeugt, dass eine vollständige Übernahme der Aufgaben und Finanzierung durch die Kantone die beste Lösung für das Gesamtsystem darstellt.
Zukunft des Notfallradios wird weiter geprüft
Aufgrund des parlamentarischen Beschlusses zum Weiterbetrieb von UKW sowie der Rückmeldungen aus der Vernehmlassung hat der Bundesrat entschieden, die Zukunft des Notfallradios vertieft zu prüfen. Zu diesem Zweck hat der Bundesrat das VBS beauftragt, Lösungsansätze zu prüfen und ihn bis Ende Juni 2027 über das weitere Vorgehen zu informieren.
- Medienmitteilung des Bundesrates vom 15. Oktober 2025: Bundesrat modernisiert Alarmierung der Bevölkerung – Vernehmlassung der Multikanalstrategie
- Medienmitteilung des Bundesrates vom 27. November 2024: Alarmierung der Bevölkerung: Bundesrat baut digitale Kanäle aus
- Webdossier: Multikanalstrategie zur Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung
