Flawil geht bei der Ortsentwicklung neue Wege
Bern, 18.08.2026 — Wie kann eine Gemeinde neuen Wohnraum schaffen, ohne mehr Land zu überbauen — und gleichzeitig den Ortskern als lebendiges Zentrum stärken? Ein vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) unterstütztes Projekt in Flawil im Kanton St. Gallen zeigt einen neuen Ansatz. Die Bevölkerung wurde bereits zu Beginn der Ortsplanung einbezogen und diskutierte verschiedene Zukunftsbilder für das Ortszentrum.
Die Bevölkerung der Schweiz wächst – und damit auch der Bedarf an Wohnraum. Gleichzeitig soll möglichst wenig Kulturland überbaut werden. Deshalb stehen viele Gemeinden vor der Aufgabe, neue Wohnungen auf bereits besiedeltem Gebiet zu schaffen. Solche Projekte lösen jedoch oftmals Kontroversen aus, weil sie das vertraute Ortsbild verändern können.
Ein vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) unterstütztes Referenzprojekt in Flawil zeigt nun, wie Gemeinden mit einer guten Grundlagenarbeit in der Nutzungsplanung ihre Bevölkerung frühzeitig in diese wichtigen Fragen einbeziehen können. In der 10'670 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Gemeinde im Untertoggenburg konnte die Bevölkerung von Anfang an mitreden, statt erst über fertige Pläne zu diskutieren.
Drei Zukunftsbilder als Gesprächsgrundlage
Im Zentrum des Projekts standen drei unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung des Ortszentrums. Sie zeigten auf, wie Flawil in Zukunft wachsen könnte – vom Festhalten am heutigen Kurs bis hin zu einer stärkeren Entwicklung im bestehenden Dorfzentrum.
Damit die Folgen der verschiedenen Möglichkeiten für alle verständlich wurden, setzte das Projekt auf Visualisierungen, Handskizzen, Dorfspaziergänge und öffentliche Veranstaltungen. Die Teilnehmenden konnten so erleben, wie sich unterschiedliche Entwicklungen auf das Ortsbild, auf Grünflächen, Begegnungsorte, das lokale Gewerbe und die Lebensqualität auswirken könnten.
Frühzeitiger Dialog schafft Verständnis
Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung bereit ist, sich mit anspruchsvollen Fragen der Ortsentwicklung auseinanderzusetzen, wenn die Informationen verständlich vermittelt werden und wenn genügend Zeit für den Austausch zur Verfügung steht. Während zu Beginn des Projekts noch rund ein Drittel der Teilnehmenden unentschlossen war, sank dieser Anteil nach Partizipationsveranstaltungen, bei denen ihnen drei Entwicklungsszenarien präsentiert wurden, auf 2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zustimmung zu einer stärkeren Verdichtung des Ortszentrums von 63 auf 93 Prozent.
Entscheidend war dabei nicht allein die Frage, wo neue Wohnungen entstehen sollen. Ebenso wichtig waren Themen wie attraktive Grünräume, preisgünstiger Wohnraum, eine gute Gestaltung der öffentlichen Räume, kurze Wege sowie ein lebendiges Ortszentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen.
Erfahrungen auch für andere Gemeinden
Der Schlussbericht zeigt auf, wie Gemeinden komplexe Fragen der Ortsentwicklung verständlich vermitteln und die Bevölkerung frühzeitig in den Planungsprozess einbeziehen können. Das Beispiel aus Flawil illustriert, dass für eine gelungene Entwicklung nach innen eine gute Grundlagenarbeit in der Nutzungsplanung entscheidend sein kann: Dazu gehört die Prüfung verschiedener Entwicklungsszenarien, die transparente Information über deren Vor- und Nachteile und der frühzeitige Einbezug der Bevölkerung. Die Erfahrungen aus Flawil zeigen, dass dieser offene Austausch hilft, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und die Akzeptanz für Veränderungen zu erhöhen. Die gewonnenen Erkenntnisse können auch anderen Gemeinden als Orientierung dienen, wenn sie ihre Zentrums- und Quartierentwicklung gemeinsam mit der Bevölkerung gestalten wollen.
