Neue Charta gegen Radikalisierung – Bund, Kantone und Gemeinden kämpfen gemeinsam gegen Extremismus
Bern, 21.08.2026 — Der Sicherheitsverbund Schweiz (SVS) hat am 21. August 2026 eine neue Charta gegen Radikalisierung und Extremismus an einer Medienkonferenz vorgestellt. Die Charta wird von Bund, Kantonen und Gemeinden gemeinsam getragen. Sie ist ein politisches Bekenntnis zum Kampf gegen alle Formen von Radikalisierung und Extremismus und liefert praktische Hilfestellungen für Personen und Institutionen, die mit betroffenen Personen, zum Beispiel mit gefährdeten Jugendlichen, konfrontiert sein können – sei es als Eltern, Trainerin oder Lehrer.
Seit 2023 steigt die Zahl der sich radikalisierenden Minderjährigen in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern an. Gleichzeitig wird der gewalttätige Extremismus vielfältiger. Nebst dem gewalttätigen Islamismus radikalisieren sich junge Männer etwa in der «Incel»-Bewegung, die Frauenhass schürt, oder organisieren sich in sogenannten «Active Clubs», die rechtsextreme Ideologien verbreiten. Gewalttätige linke Kreise nutzen Proteste mit internationalem Bezug für Gewaltakte. Daneben gibt es weitere neuere Bewegungen wie etwa die nihilistische Radikalisierung, die frei von politischer Ideologie die Gewalt an sich ins Zentrum rückt.
Bund, Kantone und Gemeinden agieren gemeinsam
Das Phänomen ist ein umfassendes gesellschaftliches Problem und lässt sich nur gemeinsam bekämpfen. Bund, Kantone und Gemeinden haben darauf mit mittlerweile zwei Nationalen Aktionsplänen zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus (NAP) reagiert. Diese haben 94 Projekte zur Bekämpfung von Radikalisierung und Extremismus in den Jahren 2019 bis 2026 ermöglicht. Jährlich stehen dafür 750'000 Franken zur Verfügung. Für 2027 wurden bereits 14 Gesuche eingereicht, deren Projektsumme eine Million Franken übersteigt. Der zweite NAP läuft noch bis Ende 2027 und wird derzeit evaluiert.
Im SVS sind die wichtigsten sicherheitspolitischen Akteure von Bund, Kantonen und Gemeinden vereinigt. Sie haben angesichts der aktuellen Entwicklungen beschlossen, gemeinsam und mit Unterstützung der Wissenschaft eine Charta auszuarbeiten. Im Zentrum soll die Bekämpfung von Radikalisierung und Extremismus besonders bei Jugendlichen stehen. Auch die erfolgten Angriffe in der Schweiz – tödliches Attentat in Morges 2020, Messerattacke in Lugano 2020 (beide jihadistisch motiviert), Incel-Attentat in Amriswil 2020, Attentat auf einen jüdischen Mann in Zürich 2024 und schliesslich die Messerattacke im Frühling dieses Jahres in Winterthur (letztere beide jihadistisch motiviert) – zeigen, wie wichtig dieses Engagement und eine wirkungsvolle Prävention solcher Gewalttaten sind.
Medienkonferenz aller drei Staatsebenen
An der Medienkonferenz vom 21. August 2026 haben folgende Personen über das Phänomen und wie es bekämpft werden muss, gesprochen:
- Bundesrat Beat Jans, Vorsteher EJPD und Vorsteher Politische Plattform SVS
- Regierungsrätin ZH Jacqueline Fehr, Mitglied des Vorstandes KKJPD
- Regierungsrat GR Marcus Caduff, Mitglied des Vorstandes SODK
- Stadträtin Zürich Karin Rykart, Co-Präsidentin KSSD
- Polizeikommandant TI Matteo Cocchi, Präsident KKPKS
- Martin von Muralt, Delegierter Bund und Kantone für den SVS
Exemplarisch haben die Redner/-innen an der Medienkonferenz drei Projekte vorgestellt: 2024 unterstützte das Bundesamt für Polizei (fedpol) ein Projekt der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften zur Schulung von Fachleuten der Sozialarbeit zum Vorgehen gegen Hass im Internet; 2025 hat fedpol Schulungen für Leitfiguren von Religionsgemeinschaften unterstützt und 2025 sowie 2026 erhielt ein Projekt von männer.ch, das sich der sogenannten «Manosphere» widmet, Unterstützung.
Die Charta gegen Radikalisierung ist unter folgendem Link einsehbar:
https://www.svs-rns.ch/de/charta-gegen-radikalisierung
Dort finden sich Kommunikationsmaterialien (Video, Visuals für soziale Medien und Dateien für Prints) zum Download. In den kommenden Wochen wird die Charta von zuständigen Behörden und zivilen Akteuren vor allem via Social Media weiterverbreitet.
